Arbeitszeugnisbewertung Ablauf

Praxistipps

Zeugnisaufbau

Beim Zeugnisaufbau wird grundsätzlich zwischen einem einfachen und einem qualifizierten Arbeitszeugnis unterschieden. Während das einfache Arbeitszeugnis lediglich Auskunft über die Art und Dauer der Beschäftigung gibt, stellt das qualifizierte Arbeitszeugnis die übliche und auch gebotene Form der Bescheinigung einer Arbeitsleistung dar. Sie ist, eben weil sie ausführlicher und damit aussagekräftiger ist, entscheidend für die Beurteilung des fachlichen und sozialen Profils von Arbeitskräften und somit karriererelevant.

Grundsätzlich sollte eine schriftlich fixierte qualifizierte Beurteilung wohlwollend und wahr, vollständig und geordnet sein (siehe auch Zeugnisgrundsätze).
Der Aufbau eines qualifizierten und vollständigen Arbeitszeugnisses folgt einem klaren Schema, das sich aus bestimmten Beurteilungsformeln und formalen Elementen/Bausteinen zusammensetzt, die wir Ihnen hier kurz vorstellen/erläutern möchten:

1. Einleitung

In der Einleitung werden formale Angaben wie Name und Geburtsdatum (ggf. Geburtsort), die genaue Tätigkeit/Berufsbezeichnung sowie die Beschäftigungsdauer (mitunter der Beschäftigungsumfang) genannt. Allgemeine Informationen über den Arbeitgeber, die Mitarbeiterzahl (ggf. die Abteilung und Produkte) sollen einen Einblick über das Arbeitsumfeld und die Position geben.

2. Tätigkeitsbeschreibung

Die Darstellung des Aufgabenfeldes/Aufgabebereiches und der tatsächlich ausgeführten Tätigkeiten im Rahmen einer bestimmten Position (aktuelle Stellenbeschreibung) erfolgt der Wichtigkeit nach absteigend. Hier können neben den regelmäßig ausgeübten Tätigkeiten auch Sonderprojekte oder einzelne Karrierestationen dargestellt werden.
Bei einem Zwischenzeugnis, beispielsweise bei längerer Betriebszugehörigkeit, bezieht sich die Tätigkeitsbeschreibung häufig nur auf aktuelle Aufgabenschwerpunkte und/oder Projekte und verweist auf vorangegangene Zeugnisse.
Die Tätigkeitsbeschreibung wird allgemein sachlich vorgenommen und noch nicht bewertet.

3. Leistungsbeurteilung

Die Leistungsbeurteilung ist gewissermaßen das "Herzstück" eines Zeugnisses, da hier Auskunft über das Fachwissen/die Berufserfahrung, die Motivation, die Arbeitsbefähigung, das Weiterbildungsverhalten, die Arbeitsweise und das Arbeitsergebnis gegeben wird. Die hier vorgenommene Beurteilung ist für Arbeitnehmer wie für Entscheider von besonderer Relevanz - beschreibt sie doch die Qualität eines Arbeitnehmers. Insbesondere die Vollständigkeit der Angaben und die Formulierung der Aussagen sind wichtig, da das Weglassen einzelner Aspekte der Beurteilungen pauschal als sehr negativ zu bewerten ist. In diesem Fall ist häufig von "beredtem Schweigen" die Rede, da eine fehlende Aussage gleichzusetzen ist mit einer mangelhaften Leistung, die damit bewusst oder unwissentlich zum Ausdruck gebracht wird.
Üblicherweise wird die Leistungsbeurteilung mit der sogenannten Gesamtzufriedenheitsformel bilanziert und stellt eine zusammengefasste Beurteilung der einzelnen Leistungsmerkmale dar.  

4. Persönliches Verhalten - soziale Kompetenz

In diesem Abschnitt eines Zeugnisses wird das persönliche Verhalten eines Mitarbeiters und seine soziale Kompetenz beurteilt. Hier stehen soziale Fähigkeiten wie Kommunikation mit Vorgesetzten, Mitarbeitern und Kunden im Vordergrund. Es wird beurteilt, ob und wie ein Arbeitnehmer zum Geschäfts- und Betriebsklima beiträgt, denn gerade Kommunikations- und Teamfähigkeit werden in der heutigen Arbeitswelt zusehends zur Schlüsselqualifikation.

In diesem Teil des Zeugnisses sind neben üblichen Standartformulierungen auch sehr individuell verfasste Aussagen möglich, die dem Arbeitszeugnis eine persönliche Note verleihen können.
Gegenteiliges ist natürlich auch der Fall. Als ungünstig wahrgenommene Charakterzüge sowie Konflikte mit Vorgesetzen können an dieser Stelle in offener oder verklausulierter Form sichtbar werden.   

5. Schließender Absatz/Schlussteil

Den Abschluss eines Zeugnisses bilden Elemente, wie die sogenannte Beendigungsinitiative, die Dankes- und Bedauernsformel und der Erfolgs- und Zukunftswunsch. Formal abgeschlossen wird das Dokument mit Datumsangabe und Unterschriften.
Insbesondere die Beendigungsinitiative ist hier von entscheidender Relevanz, wird doch der Grund für die Auflösung des Arbeitsverhältnisses genannt, was durchaus brisant sein kann. Neutral wirkende Formulierungen wie "wird das Arbeitsverhältnis in beiderseitigem Einvernehmen zum xy beendet" oder "das Arbeitsverhältnis endet zum xy" weisen auf Unstimmigkeiten hin, wenn nicht sogar auf eine vom Arbeitgeber veranlasste Kündigung und sind somit kritisch zu bewerten. Der Kündigungsgrund "auf eigenen Wunsch" gilt hingegen als Arbeitnehmerinitiative und steht für einen positiven beruflichen Veränderungswunsch. Unter bestimmten Voraussetzungen gilt auch das Erwähnen einer betriebsbedingten Kündigung als annehmbar. Formulierungen, wie "kann leider aufgrund der betrieblichen Gesamtsituation nicht übernommen werden" oder "aus betrieblichen Gründen konnte die Befristung leider nicht verlängert werden" weisen auf ein strukturelles und nicht persönliches Problem hin. Wünschenswert wäre der zusätzliche Hinweis "unser Unternehmen würde Frau/Herrn xy bei verändertem Personalbedarf jederzeit wieder beschäftigen", um einen gänzlich unkritischen Beendigungsgrund trotz Verlust des Arbeitsplatzes aufzuführen.

Der genaue Wortlaut bei der der Dankes- und Bedauernsformel sowie die Formulierung des abschließenden Erfolgs- und Zukunftswunsches können ebenso bedeutsam sein, weil sie in mehr oder weniger verklausulierter Form Hinweise über die tatsächliche Zufriedenheit geben.

Das Ausstellungsdatum sowie die Unterschrift(en) schließen das Zeugnis. Auch bei diesen eher formalen Angaben können Informationen enthalten sein, die auf den ersten Blick unbedenklich erscheinen, aber durchaus Fragen aufwerfen können, wie etwa ein vom Monatsende abweichendes Kündigungsdatum.  

6. Der optische Gesamteindruck

Wie bei Bewerbungsdokumenten zählt natürlich auch der optische Gesamteindruck bzw. die äußere Form eines Arbeitszeugnisses. Das Verwenden von Geschäftspapier, einer durchgängigen Formatierung, einer fehlerfreien Rechtschreibung und Grammatik, usw. sind eigentlich selbstverständlich, wenn auch nicht immer gegeben.