Arbeitszeugnisbewertung Ablauf

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Literatur-Tipps

Der Markt für Ratgeber- und Fachliteratur rund um das Thema Arbeitszeugnisse, Zeugnisgutachten und berufliche Beurteilungsverfahren ist kontinuierlich gewachsen. Eine Vielzahl an Veröffentlichungen spiegelt die steigende Bedeutung von Arbeitszeugnissen in den Gebieten Bewerbung, Personalpolitik und Arbeitsrecht wider. Um so mehr gilt es, die "Spreu vom Weizen zu trennen", um schnell einen kompetenten Überblick zu gewinnen.
Aus diesem Grund stellen wir Ihnen eine kleine Auswahl an aktueller Ratgeber- und Fachliteratur vor, die wir als informativ und hilfreich erachten. So finden sich unterschieden nach den Nutzergruppen von Arbeitnehmern, Personal-Profis, Führungskräften und juristisch interessierten Lesern die folgenden Buchbesprechungen:

RATGEBER FÜR ARBEITNEHMER

1. Hesse/Schrader "Training Arbeitszeugnis"

Das Autorenduo - Jürgen Hesse und Hans Christian Schrader - hat 2010 eine ca. 120 Seiten starke DIN A4 Arbeitsmappe herausgegeben, welche schon in Titel und Aufmachung den schnellen Überblick im "Zeugnisdschungel" verspricht. Ziel der Autoren ist es, die Leserschaft zu befähigen, ein Zeugnis künftig fehlerlos selbst verfassen zu können. Eine beigelegte CD lässt die Autoren in kurzen Filmen zu Wort kommen, fasst die Inhalte des Buches zusammen und bietet zusätzlich eine Handvoll Musterzeugnisse für verschiedene Berufsgruppen.
Es wird schnell deutlich, dass sich dieser Ratgeber vor allem an Arbeitnehmer ohne Personalverantwortung richtet. So stellen Hesse/Schrader salopp ihre sog. "Cheftypen und die Zeugnisse, die sie schreiben" vor. Hier machen sie auf eine Reihe von Zeugnis-Problemen aufmerksam, die ihrer Ansicht nach durch "Persönlichkeitsstörungen" von Vorgesetzten verursacht werden. Mal ein neuer Ansatz, leider ein wenig reißerisch.
Gut und anschaulich gelöst sind die "Vorher/Nachher Beispiele" von überabeiteten Zeugnissen, was eine wirkliche Stärke des Buches ist, da sie konsequent echten Zeugnissen mit Geschäftspapier und Unterschrift nachempfunden wurden.
Leider wird auch der ein oder andere unbedachte Tipp gegeben. So wird etwa empfohlen, alle zwei bis drei Jahre ein Zwischenzeugnis einzufordern, damit man weiß, wo man steht. Eine Empfehlung, die mit Vorsicht zu genießen ist, denn in der Regel wird dieses Verhalten mit dem sog. Abkehrwillen, also dem geplanten Arbeitgeberwechsel gleichgesetzt und sollte zumindest in diesem Zusammenhang von den Autoren erwähnt werden.
Aus unserer Sicht ist es insgesamt kein eindeutig gutes Produkt, aus diesem Grund folgt unten eine Empfehlung für ein besser geeignetes Buch des Autorenduos Hesse/Schrader.

Hesse, Jürgen und Schrader, Hans Christian (2010): "Training Arbeitszeugnis, Schreiben, Interpretieren, Verhandeln", eichborn-Verlag, Frankfurt am Main, ca. 16,95 €

2. Hesse/Schrader "Das perfekte Arbeitszeugnis"

Eine günstigere, umfangreichere und etwas neuere Version bieten Hesse/Schrader in ihrem rund 160 starken Taschenbuch "Das perfekte Arbeitszeugnis" von 2011 an. Vieles aus der Vorgängerpublikation (siehe oben) findet sich hier wieder, wird jedoch um einen kleinen Abschnitt für leitende Angestellte ergänzt. Ganze neun Seiten, womit auch die anvisierte Leserschaft eindeutig in den gängigen angestellten oder gewerblichen Berufen auszumachen ist.  
Glücklicherweise wurden an der ein oder anderen Stelle Fehler und Unklarheiten des Vorgängerbuches korrigiert, z.B. in Bezug auf die oben im vorherigen Beitrag genannte Zwischenzeugnisempfehlung.
Eine insgesamt gelungene, inhaltliche Überarbeitung, zwar ohne CD, aber mit Download-Option für eine Checkliste zum Weiterbearbeiten und Ordnen des eigenen Zeugnisses. Das lesefreundliche Format des eichborn-Verlages wurde leider nicht übernommen, trotzdem ein leicht zu lesendes Buch zum Thema Arbeitszeugnis und empfehlenswert für die erste Orientierung.

Hesse, Jürgen und Schrader, Hans Christian (2011): "Das perfekte Arbeitszeugnis, Richtig formulieren, verstehen, verhandeln", Stark-Verlag, Halbergmoos, ca. 9,95 €

RATGEBER FÜR PERSONAL-PROFIS

Weuster/Scheer "Arbeitszeugnisse in Textbausteinen"

Ein weiteres Autorenduo - Arnulf Weuster und Brigitte Scheer - hat 2010 ihren gut 400 Seiten starken "Klassiker" über Arbeitszeugnisse bereits zum 12. Mal neu aufgelegt. Es handelt sich um das wohl umfassendste Werk für Antworten auf Fragen zum Erstellen, Verstehen und zur rechtlichen Einordnung beruflicher Zeugnisse.
Das Buch wendet sich von seinem Anspruch her ohne Einschränkung an alle Erwerbstätige, ist aber auf den ersten knapp 200 Seiten in Aufbau, Stil und Inhalt recht akademisch verfasst. Hier wird fündig, wer solide wissenschaftliche Quellen sucht, aktuelle Studien nachschlagen möchte und wer Zeugnissprache systematisch entschlüsseln und gebrauchen will.
Neben der theoretischen und rechtlichen Betrachtung bieten die Autoren allerdings auch ein praxisnahes Nachschlagewerk, das alle wesentlichen Anforderungen für eine genaue Zeugniserstellung und -bewertung erfüllt. So werden etwa gewerbliche, tarifliche, außertarifliche Arbeitnehmer, sowie Auszubildende und Praktikanten sinnvoll voneinander unterschieden, da der jeweilige arbeitsplatzbezogene Verantwortungsgrad seinen individuellen Ausdruck auch im Zeugnis finden sollte.
Die Autoren verfügen über ein ausgesprochen aktuelles Detailwissen und es gelingt ihnen immer wieder, interessante und neue Aspekte in einem ansonsten wenig dynamischen Bereich der Personalarbeit zu beleuchten.
Dieses Buch ist daher aus keiner Personalabteilung wegzudenken und geeignet für alle, die Zeugnisse professionell verfassen und verstehen wollen.
Für das schnelle Entschlüsseln oder Selbstverfassen eines einzelnen Zeugnisses ist es angesichts des Umfangs weniger geeignet.

Weuster, Arnulf und Scheer, Brigitte (2010): Arbeitszeugnisse in Textbausteinen, Rationelle Erstellung, Analyse, Rechtsfragen, Boorberg-Verlag, Stuttgart, ca. 21,80 €

RATGEBER FÜR FÜHRUNGSKRÄFTE

Franz Messmer "Zeugniserstellung für Führungskräfte"

Der Autor Franz Messmer richtet sich in seinem 2012 veröffentlichten Buch "Zeugniserstellung für Führungskräfte" – wie es der Titel schon verrät – vorrangig an Berufstätige mit Führungsverantwortung, aber auch explizit an Experten aus den Personalabteilungen. Es werden auf rund 250 Seiten Anregungen und Formulierungshilfen für die Ausarbeitung eines qualifizierten Arbeitszeugnisses gegeben.
Der Inhalt des Buches gliedert sich in einen Grundlagenteil, der die übliche Praxis schildert und Anforderungen an ein wertschätzendes und professionelles Zeugnis aufzeigt.
Des Weiteren stellt der Autor umfangreiche Mustervorlagen für verschiedene Tätigkeiten, Branchen und Bewertungen im Zusammenhang mit leitenden Aufgaben zur Verfügung. Dem Buch liegt zudem eine CD bei, auf der sich die Zeugnisvorlagen als Bausatz zum Verwenden für ein eigenes Dokument befinden.

Die ein oder andere sprachliche Auffälligkeit (es wird z.B. von "Bürgerort" gesprochen, wenn "Geburtsort" gemeint ist), erklärt der Blick ins Impressum: Es handelt sich um eine Schweizer Publikation. Problematisch ist dieser Umstand allerdings dann, wenn er sich ausschließlich auf die rechtliche Situation der Schweiz bezieht und dies weder im Klappentext noch Vorwort erwähnt wird.

Insgesamt betrachtet, macht der Autor einen ausgesprochen kompetenten Eindruck. Er bietet viele neue Anregungen, die in der Tat auf dem Markt der Ratgeberliteratur eine Lücke füllen, weil sich explizit auf den Kreis der Führungskräfte bezogen wird. Es werden beide Perspektiven, sowohl die der einzelnen Führungskraft, als auch die der Personalabteilung beleuchtet. Hier kommen auch die vorbildlichen personalpolitischen Weichenstellungen der Schweizer Zeugnispraxis zum Ausdruck, welche schon seit längerem mit einer Selbstverpflichtung gegen das Verwenden von Geheimcodes angeht. Ein Buch, das durchaus empfehlenswert ist.

Messmer, Franz (2012): Zeugniserstellung für Führungskräfte, PRAXIUM-Verlag, Zürich, ca. 42 €

RATGEBER FÜR RECHTLICHE FRAGEN

Huber/Müller "Das Arbeitszeugnis in Recht und Praxis"

Günter Huber und Waltraud Müller haben ihren umfangreichen, rund 300 Seiten starken Ratgeber 2012 neu aufgelegt. Schnell wird deutlich, dass es sich hier um juristische Profis handelt, die ihren beruflichen Schwerpunkt aus dem Arbeitsrecht einbringen, neueste Entwicklungen kennen und geordnet präsentieren.
Folgerichtig besteht der erste Teil des Buches aus einer sehr fundierten Übersicht zeugnisrelevanter Rechtsgrundlagen und ist für Personal-Profis in der täglichen Praxis wie auch für Arbeitnehmer geeignet, die eine einführende Rechtsberatung wünschen. Ebenso wie die Beschreibung des Rechtsweges bei Klagen, werden auch Anwaltsgebühren und Gerichtskosten erwähnt, was andere Publikationen nicht bieten.

Im Anschluss daran folgen die üblichen Serviceleistungen. So werden z.B. Zeugnisformulierungen mit Textbausteinen für das Verfassen eines Zeugnisses geboten. Eine Reihe an Musterzeugnissen für ganz unterschiedliche Berufe ist ebenfalls vorhanden. Es fällt allerdings auf, dass die Zeugnisbeispiele für die Musterberufe floskelhaft und blass bleiben, so dass diese nur eine erste Hilfestellung bieten. Ein persönliches und angemessenes Zeugnis ersetzt dieses Angebot nicht. Was sicherlich grundsätzlich ein Problem von Musterformularen darstellt.

Darum aus unserer Sicht eine Empfehlung insbesondere für eine Leserschaft, die eine gute Übersicht über Rechtsgrundlagen wünscht und die eine oder andere Anregung aus den Musterzeugnissen mitnehmen möchte.

Huber, Günter und Müller, Waltraud (2012): "Das Arbeitszeugnis in Recht und Praxis, Rechtliche Grundlagen, Musterzeugnisse, Textbausteine, Zeugnisanalyse", Haufe-Verlag, Freiburg, ca. 24,95 €.

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